Wolfgang von Goethe

 

 

Bridge Drama

Author: Inge Zoch

Source: Crossruffs Bridgeseite, Germany

 

 

 

 

Zu seiner Gattin sprach dereinst Herr Schmidt:

Ich lern jetzt Bridge, und du lernst mit.

Frau Schmidt, die stets sanft und still,

Tut immer was ihr Ehemann will.

Denn Herr Schmidt, als Herr im Haus bestimmt,

Was man als Ehepaar so unternimmt.

 

So ward Protest gar nicht versucht,

Uud ein Kursus bei der VHS gebucht.

Fleissig lernen sie Reizung und Regeln.

Frau Schmidt, die ging lieber Kegeln,

Zumal noch ihre Mutter spricht:

Kartenspeilen, das tut man nicht!

 

Doch langsam merkt sie, es ist was dran,

Ob ich das jemals spielen kann?

Nun ist sie plötzlich interessiert,

Und voller Eifer sie studiert.

 

Der Herr Schmidt, der nimmt’s eh’ gelassen.

Bei seiner Intelligenz war es schnell zu fassen,

Was bei der ganzen Reizerei

Sinn und Zweck des Spieles sei.

 

Und als der Kurs zu End gebracht,

Da träumte es ihm über Nacht.

Grosse Turniere wird er gewinnen,

Sein Leben wird nun neu beginnen.

 

Doch da seine Frau dafür zu dumm,

Sieht er sich nach klugen Partnern um.

Er findet jemand, gleich gesinnt,

Die Mitgliedschaft im Club beginnt.

 

Frau Schmidt bleibt nicht daheim allein,

Auch sie geht in den Bridgeverein.

Dort findet sie, obwohl sanft und still,

Eine Dame, die mit ihr spielen will.

 

Erlöst von des Gatten strafenden Blick

Spielt sie vergnügt mit viel Geschick.

 

Die Herren spielen ganz verbissen,

Weil sie ja gewinnen mussen.

 

Eine zeitlang geht es so hin und her,

Mal ist sie besser, dann mal er.

Doch mit der Zeit sollt es sich zeigen,

Die Damen beginnen aufzusteigen.

 

Herr Schmidt findet das sehr ungerecht.

Er spielt so gut, und sie doch schlecht.

Als sie ihn noch im Team besiegt,

Er gar nicht mehr die Kurve kriegt.

Erklärt dann plötzlich frank und frei

Das Bridgen ist für uns vorbei.

 

Ein Glücksspiel ist es, Lotterie.

Ein kluger Kopf spielt sowas nie.

Ich habe doch bei Gott gedacht,

Dass Klugheit hier den Meister macht!

Jetzt ist damit Schluss. Wir bleien zu Haus.

Das Bridgespiel treib ich dir gründlich aus.

 

Doch Frau Schmidt, sie, die sonst so still,

Sagt ihm endlich was sie jetzt will.

Sie denke nicht daran, aufzuhören.

Er solle sich zum Teufel scheren!

Er sei beileib kein Superman,

Wenn er nicht mal bridgen kann!

Höre auf zu kommandieren,

Die Zügel werde ich nun führen!

 

Herr Schmidt ist sprachlos und verstimmt.

Er fürchterlich auf Rache sinnt!

Mit dem Messer will er sie hetzen,

Doch es packt ihn das Entsetzen,

Als sie mit dem Finger droht.

Ab heut machst du das Abendbrot!

 

Da wird Herr Schmidt auf einmal klein,

Verloren ging der Glorienschein!

Nun muss er dieses noch verdauen:

Gute Bridgespieler haben selbstvertrauen.

 


Weihnachten 1997 - Ingeborg Zoch

 

 

 

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