Wolfgang von Goethe

 

 

 

Der Ehemann

Author: Inge Zoch

Source: Crossruffs Bridgeseite, Germany

 

 

 

Ach, ich armer Ehemann.
Ich bin wirklich ganz arm dran!
Mit vielen Dingen, mit dem Schönen,
Möchte ich meine Frau verwöhnen.

Doch was ich mache, was ich tu,
Zieh ich mir ihren Unmut zu!

Lade ich sie zum Essen ein,
Mit Kerzenlicht und rotem Wein,
Träum ich von Romantik pur,
Sagt sie lächelnd: Lass das nur!

Liebling, du wirst es verstehen.
Heute muss ich bridgen gehen!

Ich liebe Opern und Musik.
Kriege Karten zu meinem Glück.
Wagners Tristan und Isolde.
Und was sagt sie ... meine Holde?

Liebling, du wirst es verstehen.
Heute muss ich bridgen gehen!

Sonnenschein auf allen Wegen.
Möchte ins grüne Gras mich legen.
Schwimmen in der blauen See.
Liebling, sagt sie, doch verstehen:

Ach, wie gern ging ich mit dir.
Doch heute ist ein Bridgeturnier!

Langsam verlier ich den Humor!
Eine Reise schlag ich vor.
Ganz weit weg von allen Karten.
In der Karibik wollen wir starten.

Sie sagt froh: Das ist schön.
Meine Bridgedamen werden mit uns gehen!

Darauf traf mich fast der Schlag
Und schamhaft ich gestehen mag,
Mich quälten finstere Gedanken.
Doch ich wies mich in die Schranken.

Wenn sie die Karten so sehr liebt.
Es für mich was Anderes gibt!

Eine junge blonde Maid
Teilt nun meine Einsamkeit.
Schwimmen, Langlauf und Musik.
Alles findet sie toll und chic.

Nur eines, das ist nichts für sie:
Kartenspielen lernt sie nie.

Mein Weib kann gerne Bridgen gehen.
Ich werde ihr nicht im Wege stehen.
Doch höre ich noch einmal den verhassten Satz,
Dann macht sie für eine andere Platz.

 

 

 

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